New York 360

Das Flair New York’s in den kleineren Parks der Stadt entdecken

Wohl jeder, der nach New York kommt, geht bei seinem ersten Besuch (und meist auch, wenn man wiederkommt) in den Central Park und übersieht oft die kleineren Parks der Stadt. Die haben aber auch viel zu bieten. Da sie intimer sind und man hier auch mehr Einheimische sieht, haben sie auf gewisse Weise sogar mehr Flair als der berühmteste Park der Welt.

Hier stellen wir Euch sechs Parks vor, wo Ihr viel New Yorker Leben beobachten könnt.

Riverside Park

Skater im Riverside Park – Foto Ed Wilson

Der über 6 km lange, schmale Landstreifen am Hudson River zieht sich 88 Blocks von der 72. Straße bis zur 158. Straße an ganz verschiedenen Vierteln entlang. Von der reichen Upper West Side, wo er parallel zum Riverside Boulevard, einer der nobelsten Wohnstraßen der Stadt verläuft, bis hoch nach Harlem, wo auch viele sozial schwächere Menschen leben. In den verschiedenen Abschnitten und zu verschiedenen Jahreszeiten sieht man alle Arten von Menschen, fast ohne Ausnahme New Yorker. Besucher kommen hier nur wenige her, denn obwohl der Riverside Park einfach zu erreichen ist, ist er etwas abseits von den üblichen Touristenpfaden. Im Sommer sieht man die New Yorker hier sonnenbaden und im Winter Schlittschuhfahren. Es gibt sogar eine eigene Anlage für Skateboardfahrer und, einmalig in Manhattan, einen kleinen Hafen mit Hausbooten, in denen Menschen leben. Der Park bietet tolle Felsenlandschaften und wunderbare Aussichten auf den Hudson River. Die Menschen, die Euch im Riverside Park begegnen werden, sind New Yorker, die die Ruhe und Abgeschiedenheit hier genießen und sich entspannen. Die Szene aus dem Film You’ve got Mail (E-m@il für Dich), in der Tom Hanks und Meg Ryan letztendlich ihre wahren Identitäten enthüllen, spielt übrigens im Park auf der Promenade an der 91. Straße.

Union Square Park

Union Square – Foto Union Square Alliance

Kein Ort in New York verkörpert die Vielseitigkeit New Yorks besser für mich als der Union Square. Er ist ein idealer Platz, um Leute zu beobachten. An kaum einem anderen Platz auf der Welt sieht man so viele verschiedene Menschen wie hier. Von Drogensüchtigen, die aus der nahe gelegenen Methadonklinik kommen, über modisch gekleidete schöne Frauen und Geschäftsleute bis hin zu Studenten und Arbeitern kann man eigentlich alle Arten von Menschen über den Platz spazieren sehen. In den 1960er Jahren war Andy Warhols ‘Factory’ Künstlerkommune am Platz. 1976 wurde der Union Square Greenmarket ins Leben gerufen – ein Markt, der viermal in der Woche stattfindet und auf dem Agrarerzeugnisse aus der Region verkauft werden. Über die Jahre wurde der Greenmarket immer voller, und heute tummeln sich hier an manchen Tagen bis zu 60.000 Einkäufer. Auch der Union Square Holiday Market in den vier Wochen vor Weihnachten ist eine Institution. Der Union Square war immer DER Platz in New York für Demonstrationen, besonders mit politisch linken Teilnehmern. Arbeiterrechte, Vietnam- und Irakkrieg, Waffengesetze, Einwanderung sowie Trump – all das waren und sind Anlässe für Demos.

Da er für die meisten New Yorker relativ einfach zu erreichen ist, ist der Union Square auch ein beliebter Treffpunkt im ganz normalen Leben, aber auch in besonderen Situationen. In den Tagen nach dem Anschlägen vom 11. September 2001 hingen hier hunderte Fotos von Vermissten.

Washington Square Park

Washington Square Pak – Foto Ed Wilson

Dieser Park ist das Herz des Greenwich Village, eines der pittoresken Vierteln in Manhattan. Man spürt, dass die Gegend einmal das wichtigste Künstlerviertel Amerikas war und auch heute findet man noch viele Live Musik Clubs, kleine Restaurants und auch Shops in dem Viertel. Hier sieht man an warmen Tagen Musiker, Artisten und Schachzocker. Flair bekommt der Park auch von der umliegenden New York University, der größten Universität der Stadt. Der Triumphbogen erinnert an George Washingtons Leistungen im Unabhängigkeitskrieg und an seine Amtseinführung als erster Präsident. Der älteste Baum New York’s, die ‘Ulme des Henkers’ (siehe NY Aktuell Artikel) steht hier, und es sollen dort Hinrichtungen durchgeführt worden sein. Sicher ist jedoch, dass der Park im 18. und frühen 19. Jahrhundert als Armenfriedhof diente. Circa 20.000 Menschen sind unter dem Washington Square Park begraben.

Madison Square Park

Madison Square Park – Foto Ed Wilson

Direkt am Flatiron Building (Bügeleisengebäude) gelegen, liegt der Madison Square Park. Besonders während der Mittagszeit nutzen viele New Yorker, die in den umliegenden Bürogebäuden arbeiten, den Park für ihre Mittagspause. In den warmen Monaten gibt es Open Air Konzerte im Park und während des Großteils des Jahres wird hier öffentliche Kunst von höchster Qualität ausgestellt. Nicht nur auf das Bügeleisengebäude hat man vom Park aus ideale Aussicht, auch das Empire State Building und den MetLife Clocktower (unverkennbarer Turm mit riesiger Uhr) sieht man perfekt vom Park. Die erste Location der Edelburgerkette Shake Shack ist im Park lokalisiert. Die Schlange ist oft berüchtigt lang. Benannt ist der Park nach James Madison, dem vierten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Bryant Park

Bryant Park – Foto Ed Wilson

Mitten in Manhattan, nur einen Block vom Times Square entfernt, ist der Bryant Park. Hier findet man eine Mischung aus New Yorkern, die etwas Pause brauchen (besonders um die Mittagszeit herum) und Besuchern. Der Park, der von Hochhäusern eingekreist ist, ist eine urbane Perle. Einer der schönsten alten Wolkenkratzer der Stadt, das American Radiator Building, unverkennbar mit dem goldenen Dach, steht am Bryant Park. Legendär ist das montagliche Freiluft-Kino im Sommer, wo man alle Arten von New Yorkern sieht. Die Leute warten vor dem Park (oft mit Campingstühlen in der Hand) und bei Einlass laufen die Menschen auf den Rasen, um einen guten Platz zu ergattern. Der Park füllt sich oft innerhalb von wenigen Minuten. In den Sommermonaten gibt es jeden Dienstag um 10.00 Uhr und jeden Donnerstag ab 18:00 Uhr Yoga Stunden dort. Eine traumhaftere Großstadtkulisse kann man sich dafür kaum vorstellen (Matten kann man sich ausleihen). In der Weihnachtszeit findet im Bryant Park einer der schönsten Festtagsmärkte statt, das ‘Winter Wonderland‘. Manchmal friert dann sogar der Brunnen ein – ein perfekt winterlicher Anblick!

High Line Park

Der High Line Park ist einer der neuesten und ungewöhnlichsten Parks in New York. Es ist ein tolles Beispiel, wie man ‘industrielles Erbe’ erhalten kann und ihm eine zeitgemäße Funktion gibt. Der Betrieb der ‘High Line’ – einer alten, einige Meter über Straßenhöhe verlaufende Frachtzugstrecke – wurde 1980 eingestellt. Fast 20 Jahre rostete sie vor sich hin, bis 1999 Anwohnern die Idee kam, die High Line in einen Park umzuwandeln. Zehn Jahre später wurde das erste von drei Stücken des Parks eröffnet (mittlerweile ist er fertig). Er ist fast 2.5 Kilometer lang, aber je nach Position nur zwischen 10 und 17 Metern breit. Eine Stärke des Parks ist sein Abwechslungsreichtum. Verschiedenste Arten von Bäumen, Sträuchern und Pflanzen, ein kleiner Fluss, hölzerne Bänke, die man wie Zugwaggons zusammenschieben kann, stufenförmige Terrassen und wechselnde Kunstinstallationen sind nur ein paar Beispiele für das, was die High Line zu bieten hat. An einem sonnigen Nachmittag sieht man neben einigen Touristen oft Jogger, Spaziergänger, Frauen, die Kinderwagen schieben, Geschäftsleute, Büroarbeiter mit ihrem Mittagessen in der Tüte und Touristen. Man kommt an manchen Stücken der High Line den umliegenden Wohnhäusern, die oft neu sind und sich durch modern-extravaganter Architektur auszeichnen, so nahe, dass man fast schon hineingreifen kann. Ein Problem mit der High Line ist, dass sie in gewisser Hinsicht schon Opfer der eigenen Beliebtheit wurde, denn es wird oft extrem voll in dem schmalen Park.

eny-image