
Wenn Kunstliebhaber nach New York kommen, planen sie häufig viele Besuche: das Metropolitan Museum of Art, das Museum of Modern Art, das Guggenheim oder eines der vielen anderen tollen Museen und Galerien der Stadt. Die Fortbewegung – so wissen sie – ist am besten mit der U-Bahn zu bewältigen bzw. mit der Subway, wie sie hier heißt. Nur wenigen von ihnen und auch wenigen New Yorkern ist bewusst, dass die U-Bahn selbst reichhaltigen Kunstgenuss bietet.
In den einzelnen Bahnhöfen findet man eine Vielfalt von Werken: von Arbeiten renommierter Künstler wie Roy Lichtenstein oder Sol LeWitt, die auf dem Kunstmarkt Millionen Wert wären, bis hin zu Werken von Schulkindern. Diese „Untergrund“-Kunst ist so vielseitig wie New York.
Das Geld, unter anderem für die Kunst, ist zum großen Teil dank des „1 Percent for Art“ Gesetzes vorhanden. Dieses Gesetz wurde vor 30 Jahren verabschiedet und besagt, dass bei allen öffentlichen Bauvorhaben – zu denen unter anderem auch die Renovierung der U-Bahnhöfe gehört – ein Prozent des Budgets für Kunst ausgegeben werden muss.
Hier 20 eindrucksvolle Werke, die die Vielseitigkeit und Qualität der Kunst in der New Yorker U-Bahn zeigen.
Roy Lichtenstein – Times Square Mural – 1994

Der amerikanische Künstler malte zwei New Yorker Straßenszenen für die größte U-Bahn-Station der Stadt. Die Werke wurden von der italienischen Mosaiklegerwerkstatt Travisanutto in Mosaiken umgewandelt.
Times Square Station (U-Bahn-Linien 1, 2, 3, N, Q, R, 7, S) – Manhattan
Dieses über 16 Meter lange Wandgemälde ist in dem für Lichtenstein charakteristischen Comic-Stil gehalten. Es zeigt die Vergangenheit und Zukunft der Fortbewegung in New York, wie Lichtenstein sie sich vorstellte. Die Bilder reichen vom U-Bahn-Vorläufer des 19. Jahrhunderts bis zum hypermodernen Zug-Raumschiff-Hybriden. „Times Square Mural“ war ein bezahlter Auftrag der Stadt, aber Lichtenstein schenkte das Werk seiner Heimatstadt.
William Wegman – Stationary Figures – 2018

23rd Steet Station – Linie M, F – Manhattan
Elf Glasmosaiktafeln zeigen Mosaikversionen von den berühmten Weimaranerbildern von William Wegman, bekleidet mit menschlicher Garderobe wie Regenmänteln und Flanellhemden, in der Pose alltäglicher Pendler, die auf dem Bahnsteig warten. Die Mosaike wurden vom Münchner Mosaic Studio Fritz Mayer gefertigt.
Robert Wilson – My Coney Island Baby – 2004


Coney Island/Stillwell Avenue Station (U-Bahn-Linien D, F, N, Q) – Brooklyn
Robert Wilson – einer der bekanntesten Theaterkünstler der Welt – schuf diese fast 100 Meter lange und über 5 Meter hohe Wand aus Glasziegeln. Thema der Arbeit ist Coney Island, der legendäre Atlantikstrand und Vergnügungspark, eine Gegend, die übrigens in den letzten Jahren viele Veränderungen erfahren hat. Die Motive auf der Wand – Hotdog, Achterbahn, Karussell-Pferd, Kinder am Strand und Leute auf der Strandpromenade – stammen alle von historischen Postkarten.
Frank Tomaselli – Wild Things – 2024

U-Bahn-Station – 14th Street – Linien 1, 2, 3
Sechs Werke mit Tieren, die in New York heimisch sind. Inspiriert von den Beobachtungen des Künstlers bei der Vogelbeobachtung, zeigen die farbenfrohen Mosaike unter anderem einen Specht, einen Kardinal, einen Trupial und einen Falken.
Robert Kushner – 4 Seasons Seasoned – 2004

77st Street Station (U-Bahn-Linie 6) – Upper East Side – Manhattan
Robert Kushner ist bekannt für seine opulenten Werke mit Blumenmotiven. Dieses Mosaik zeigt japanisch beeinflusste Blumendarstellungen- ein Sujet, mit dem sich der Künstler in vielen seiner Werke beschäftigt, von denen man einige im nur ein paar hundert Meter entfernten Museum of Metropolitan Art finden kann.
Faith Ringgold – Flying Home: Harlem Heroes and Heroines (Downtown and Uptown) – 1996

125th Street Station – Linie 2/3 -Manhattan
Josephine Baker, Malcolm X und Zora Neale Hurston sind nur einige der Persönlichkeiten aus Harlem, die die Künstlerin Faith Ringgold in der Station an der 125th Street verewigt hat. Die Künstlerin, die selbst in Harlem aufwuchs, stellt die Dargestellten jeweils im Flug dar, während sie in das Viertel in Upper Manhattan zurückkehren, das ihnen einst als Heimat diente. Auch die Künstler Vincent Smith und Willie Birch würdigen ehemalige Bewohner in ihren Werken an den Stationen der 116th und 125th Street, die ebenfalls an der Linie 2/3 liegen.
Sol LeWitt – Whirls and Twirls – 2009

Columbus Circle Station (U-Bahn-Linien 1, A, B, C, D) – Manhattan
Die Arbeit des berühmten Konzeptkünstlers erzeugt ein Farbenschauspiel aus 520 Porzellankacheln. Eine leicht andere Version dieses Werks hängt im Metropolitan Museum of Art.
Katherine Bradford – Queens of the Night – 2021

Station First Avenue – Linie L – Manhattan
Katherine Bradfords großflächige Wandbilder aus Glas verteilen sich über die gesamte Station i und bieten den Fahrgästen farbenprächtige Darstellungen von emporsteigenden Superhelden, lebhaften Tänzern und blühenden Gartenlandschaften vor tiefblauem Hintergrund.
Elizabeth Murray – Blooming – 1996

59th Street Station (im Verbindungsgang zwischen den Bahnsteigen der U-Bahn-Linien 4, 5, 6 und N, R) – Manhattan
Elizabeth Murray ist eine der sehr wenigen Frauen, denen eine eigene Retrospektive im berühmten Museum of Modern Art gewidmet wurde. Wenn man dieses Werk sieht, kann man verstehen, warum. Das Mosaik „Blooming“ bedeckt alle vier Wände des Verbindungsgangs. Die Darstellung von Bäumen bezieht sich auf den alten Namen des Viertels „Bloomingdale“. Das gleichnamige Kaufhaus befindet sich genau über der Station. Aus den Kaffeetassen und Schuhen fließen Zeilen von Gedichten der amerikanischen Dichter Delmore Schwartz und Gwendolyn Brooks.
Marcel Dzama – No Less Than Everything Comes Together – (2021)

Linie L – Bedford Avenue in Brooklyn – Zwischengeschoss der Eingänge an der Driggs Avenue und der Bedford Avenue
Die Werke entführen die Fahrgäste von der U-Bahn in eine skurrile, zirkusartige Welt von Marcel Dzama mit tanzenden Ballerinas, vermenschlichten Monden und Sonnen sowie fantastischen Wesen, die direkt einem Bilderbuch für Kinder entsprungen zu sein scheinen.
Ann Hamilton – Chorus – 2018

Cortlandt Street – World Trade Center Station -Manhattan
Mosaik aus weißem Marmor, das Texte aus der US-Unabhängigkeitserklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 enthält. Die Station wurde 2018 wiedereröffnet, nachdem sie bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstört worden war.
Yoko Ono – Sky – 2018

Linie B, C – 72nd Street – Manhattan
Yoko Onos Mosaik besteht aus Bildern eines blauen Himmels sowie den darin verstreuten Schriftzügen „Remember“, „Dream“ und „Imagine Peace“. Die Station befindet sich unterhalb des Apartmenthauses „Dakota“, in dem Ono, die Witwe von John Lennon, 50 Jahre lang lebte.
Tom Otterness – Life Underground – 1994

8th Avenue Station – U-Bahn-Linien A, C, E, L – Manhattan
„Life Underground“ – gut 140 Miniatur-Bronze-Skulpturen – ist eines der verspieltesten und beliebtesten U-Bahn-Kunstwerke in New York. Sein Thema, so der Künstler, sei die Unmöglichkeit, New York zu verstehen. Krokodile kommen – der alten Legende entsprechend – aus der Kanalisation und schnappen nach Passanten, und eine gigantische Ratte sitzt auf einem Geldsack und knabbert an einer Münze. Die Motive haben Comic-Charakter, aber oftmals auch einen politischen Hintergrund. Inspiration für Skulpturen wie den Geldsack komme, so Otterness, vom englischen Karikaturisten und politischen Satiriker Thomas Nast, der im 19. Jahrhundert wirkte.
Ellen Harvey – Look Up Not Down – 2005

Queens Plaza Station (U-Bahn-Linien E, F, G, R) – Queens
Dieses Glasmosaik der englischen Künstlerin zeigt die Skyline, wie man sie auf der Straße über der U-Bahn zur Zeit der Schaffung des Werks sah. Die Sonne ist dort positioniert, wo das World Trade Center bis zum 11. September 2001 stand. Harvey will, dass dieser „endlose“ sonnige Tag die U-Bahn-Passagiere optimistisch stimmt.
Saya Woolfalk – Urban Garden Rail – 2005

Entlang der Windschutzwände auf den Hochbahnsteigen der U-Bahn-Station Pennsylvania Avenue + Van Siclen Avenue der Linien 2 und 3 Line – Brooklyn
Zwei Schichten aus ausgeschnittenen, lackierten Stahlpaneelen, die Szenen aus urbanen Garten-Utopien darstellen, würdigen die zahlreichen Gemeinschaftsgärten der Stadt an dieser U-Bahn-Station in East New York. Die von der New Yorker Künstlerin Saya Woolfalk entworfene dauerhafte Installation erstreckt sich entlang der Windschutzwände an den Bahnsteigen der Endstation.
Nick Cave – Each One, Every One, Equal All – 2021



Bryant Park Station – Manhattan
Eines der größten U-Bahn-Mosaike der Stadt – Nick Caves großformatiges Werk „Each One, Every One, Equal All“ (2021) – säumt den Tunnel, der die U-Bahn-Stationen Times Square und Bryant Park miteinander verbindet. Das Werk, das auch ein Videoelement umfasst, zeigt Dutzende der sogenannten „Soundsuits“ des Künstlers – jene Kostüme, die Cave seit über 30 Jahren im Rahmen einer facettenreichen und sich stetig wandelnden Auseinandersetzung mit Identität, Macht und Verletzlichkeit entwirft.
Béatrice Coron – Bronx Literature – 2006

Burke Avenue Station (U-Bahn-Linien 2, 5) – Bronx
Diese Bleiglasarbeit kreist um das Leben von vier Autoren, die alle in der Bronx wohnten oder arbeiteten: Edgar Allan Poe, James Baldwin, Nicholasa Mohr und Sholem Aleichem. Bei dem Abschnitt, der Poe gewidmet ist, sieht man einen Raben, einen Vollmond und Seiten, die aus einem Buch fliegen.
Xenobia Bailey – Funktional Vibrations – 2015


Hudson Yards Station – Linie 7 – Manhattan
Beeindruckende Deckenmosaike der Textilkünstlerin und Bildhauerin Xenobia Bailey. Das Werk „Funktional Vibrations“ (2015) erstreckt sich über die Decken der Station Hudson Yards und zeigt gewaltige, sich überlagernde Spiralen, die von Kobaltblau umgeben sind. Der Entwurf für das Mosaik entstand ursprünglich als Häkelarbeit, bevor er digitalisiert und vom Miotto Mosaic Art Studio als Mosaik für die Station neu interpretiert wurde.
Kunst in der Second Avenue Subway
Der erste Teil der Second Avenue Subway in Manhattan wurde nach jahrzehntelangem Hin und Her Silvester 2016 eröffnet (warum sich alles so schwierig und extrem teuer gestaltete, können Sie hier lesen.)
Wegen der sowieso immensen Kosten- da öffentliche Kunst mehr ‚in‘ ist denn je und weil man durch Stationen, die viel größer und höher sind als die allermeisten alten Haltestellen ganz besondere Möglichkeiten zur Installation hatte- hat man sich entschieden, bei der Kunst hier zu klotzen statt zu kleckern.
Vier Starkünstlern wurde jeweils eine der vier neuen Stationen überlassen, wo er oder sie hohe Mosaike oder andere Art von Keramikkunst anbringen konnten.
63rd Street/Lexington Avenue – Jean Shin – Elevated

Auf der ‚63rd Street‘ gibt es Werke von Jean Shin. Vorlagen für ihre Serie ‘Elevated‘ waren Bilder von Passagieren aus den 1920er, 30er und 40er Jahren, die sie im Stadtmusem ‚New York Historical Society‘ oder dem ‚New York Transit Museum‘ entdeckte. Eines der Mosaike zeigt auch den Abriss des Vorläufers der U-Bahn, den ‘Elevated Train‘, woher die Serie ihren Namen hat.
72nd Street – Vik Muniz – Perfect Strangers

Der brasilianische Künstler Vik Muniz wählte für ‘seine‘ Station- die 72nd Street- Menschen, die er in alltäglichen U-Bahn Situationen kennt. Unter anderem sich selbst mit Aktenkoffer, der sich versehentlich geöffnet hat und die Papiere um die Station fliegen lässt. Die Reihe nannte er ‚Perfect Strangers‘.
86th Street – Chuck Close – Subway Portraits


Unter den vier Künstlern, die für die Second Avenue Subway beauftragt wurden, ist Chuck Close der weltweit bekannteste. Er übernahm die 86th Street, und installierte in seiner Reihe ‘Subway Portraits‘ Darstellungen anderer Künstler, die er persönlich kennt und kannte, wie den New Yorker Rocker Lou Reed, Kultfotografin Cindy Sherman und auch mehrere Selbstporträts.
96th Street – Sarah Sze – Blueprint for a Landscape

Die 96th Street bekam Sarah Sze. Sie nutzte ihre Gelegenheit dazu ein einziges, riesiges Werk zu schaffen. Ihr ‘Blueprint for a Landscape’ (Entwurf für eine Landschaft) zeigt urbane Elemente des New Yorker Lebens, wie die allgegenwärtigen Baugerüste, aber auch Vögel, Bäume und Blätter und Papiere, die durch die Luft fliegen. „Ich wollte, dass der Betrachter, oder besser Passagier, der sich durch die Station bewegt, von einem Werk begleitet wird, das sich auf gewisse Weise mit bewegt“, so die Künstlerin, die auch Professorin an der Columbia University in New York ist.
https://newyorkaktuell.nyc/maskenpflicht/
https://newyorkaktuell.nyc/der-new-york-recovery-index-macht-die-wirtschaftlichen-auswirkungen-der-pandemie-leicht-verstandlich/



































