Storys aus der Wirtschaft

Taxen – ein Milliardengeschäft im Umbruch

Foto – Josh Hudson

Wenig symbolisiert New York mehr als seine Taxen, die Yellow Cabs. Hinter einer der typischsten Fortbewegungsmittel, vor allem in Manhattan, steckt eine riesige Industrie, die sich in den letzten Jahren überraschend und gewaltig verändert hat. Eine Branche, in der jeder, der zu harter Arbeit bereit war, genug zum Überleben verdienen konnte und die vielen Einwanderern als Einstieg in den ‚American Dream’ diente, hat nun einige Fahrer in den finanziellen Ruin getrieben. Der Grund sind neue Technologien. Aber der Reihe nach.

Es gibt gut 13.000 Yellow Cabs in New York. Die Berechtigung, ein Taxi zu betreiben, anderswo Lizenz genannt, ist in New York das ‘Medaillon‘: eine Stahlplakette, die auf der Kühlerhaube angebracht wird und als Beweis dient, dass ein Taxi lizenziert ist. Die Medaillons können frei gehandelt werden. Die Preise sind bis vor ein paar Jahren unglaublich gestiegen. 2014 wurde der Spitzenwert von 1,3 Millionen Dollar erreicht. Zum Vergleich: Ende der 70er Jahre war der Marktwert zwischen 60.000 und 70.000 Dollar, vor acht oder neun Jahren um die 500.000 Dollar. Von 1937, als die ersten Medaillons für 10 Dollar ausgegeben wurden, bis heute hatten die Lizenzen eine bessere Wertsteigerung als Gold, der Dow-Jones-Aktienkorb und die allermeisten Immobilienindexe.

Der Fahrer benötigt einen Taxischein. Um diesen zu bekommen, muss man einen 80-stündigen Kurs absolvieren und danach einen Test ablegen. Es gibt 50.000 Fahrer mit gültigem Schein, davon sind circa die Hälfte aktiv. Fast ausnahmslos handelt es sich um männliche Einwanderer. Die meisten stammen aus Bangladesch, Indien, Pakistan, der Dominikanischen Republik, Haiti und den Gebieten der ehemaligen UdSSR. Aber es finden sich Vertreter aus allen Ländern der Erde unter den Fahrern. Gebürtige Amerikaner sind eine kleine Gruppe, und Frauen mit einem maximalen Anteil von einem Prozent eine Seltenheit.

Die meisten Medaillons sind im Besitz von Firmen, sogenannten „Fleets“, also Flotten, unter denen es einige gibt, die gleich ein paar hunderte Medaillons haben. Diese Fleets verleihen die lizenzierten Taxis dann an Fahrer, die dafür Miete bezahlen; derzeit circa 100 Dollar pro Tag. Der Fahrer bestreitet auch alle Ausgaben wie etwa Benzin, was nochmal circa 50 Dollar kostet. Er ist also bei Arbeitsantritt mit 150 Dollar im Minus. Die normale Schicht geht über zwölf Stunden. Die meisten Fahrer leisten sechs Schichten pro Woche ab. Wenn der Fahrer in einer Schicht also 320 Dollar einnimmt, bleiben ihm davon etwa 150 bis 170 Dollar, was nach Auskunft von Taxifahrern bis vor einigen Jahren einem normalen Tagesverdienst entsprach.

Vor 3 oder 4 Jahren fand ein radikaler Umbruch in der Taxiindustrie statt, wie ihn sich wohl keiner der Beteiltigten einige Jahre vorher auch nur annähernd vorstellen konnte. Bis dahin galt das Taxigeschäft als hart, aber dafür mit Einnahmen verbunden, auf die man sich verlassen konnte – dann kamen die Ridesharing-Dienste Uber und Lyft und die Karten wurden neu gemischt.

Anfangs zog die Taxilobby vor Gericht, um Uber und Lyft zu verbieten, was bis auf ein paar Konzessionen aber nichts einbrachte. Verhindern konnte man die Anbieter nicht, im Gegenteil, innerhalb von ein paar Jahren gab es gut doppelt so viele Autos, die um Passagiere kämpften – sehr zum Ärger der meisten alten ‘Yellow Cab Driver’.

Nach Aussage der ‘New York Taxi Drivers Alliance’, die für die Rechte der Taxifahrer eintritt, ging der Verdienst der Fahrer seit der Einführung von Uber und anderen Ridesharing-Diensten um über 23 Prozent zurück, was viele der Fahrer in finanzielle Krisen stürzte. Andere, die Medaillons mit Kredit kauften, als dafür Preise von weit über 1 Millionen Dollar erzielt wurden, um sich eine selbstständige Existenz aufzubauen, stehen jetzt, wo die Plaketten gerade noch 20 Prozent wert sind, vor dem Ruin. Auch ist der Berufsstolz bei vielen Fahrern weg, da sie 2018 eine Arbeit verrichten, die jeder mit eigenem Auto und Anschluss an das Uber-System sofort machen kann.

Bei vielen der alten Yellow-Cab-Fahrer hat Angst und Verzweiflung Einzug eingehalten. Seit November 2017 haben sich 4 Fahrer umgebracht. Einer von ihnen, Doug Shiffer, hinterließ diesen Facebook Post als Abschiedsbrief, in dem er die New Yorker Politik für die Misere verantwortlich macht.

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