
Nachhaltigkeit, Energiesparen, Klimaschutz, verantwortliches Umgehen mit Ressourcen und Müllbegrenzung sind Themen, die in der öffentlichen Diskussion in Deutschland und Europa eine große Rolle spielen. Kaum eine Nachrichtensendung wird vergehen, ohne dass einer dieser Bereiche angeschnitten wird.
Wie ist das in den USA, insbesondere New York?
Wie so oft klafft die Schere weit auseinander. Sie reicht von Bestrebungen auf höchstem Niveau bis zum vollkommenen Desinteresse.
Fangen wir einmal beim Müll an
Laut Zahlen der Stadt New York sammelt das für Privatmüllbeseitigung zuständige ‚Department of Sanitation‘ (DOS) täglich 11 Kilotonnen Abfall ein (1 Kilotonne = 1 Mio. kg). Keine Stadt der Welt produziert mehr Müll, glauben Wissenschaftler.

Das DOS ist immens. Der Fuhrpark umfasst 6.000 Fahrzeuge, über 2.000 davon Müllwagen. Jährlich werden 100 bis 200 Mio. USD für Neuanschaffungen ausgegeben. Die Einrichtung in Queens, wo die Flotte standgehalten wird, ist, – wenn man Militäranlagen ausnimmt, – die größte ihrer Art in den ganzen USA, allein 100.000 Reifen werden dort pro Jahr ersetzt.
Circa 15% des Privatmülls kommt ins Recycling, wieviel davon von letztendlich wirklich wiederverwertet wird, ist eine andere Frage. Der Rest kommt zu den mehr als 60 Transferstationen an verschiedenen Punkten der Stadt, wo er von 18-Achsern und Güterzügen mit bis zu 35 Waggons aus der Region New York City herausbefördert wird. Viel kommt in nördlichere Teile des Staats New York und Nachbarstaaten wie New Jersey oder Pennsylvania, aber auch Ohio oder South Carolina sind Empfänger. Die Stadt bezahlt den annehmenden Staaten gewaltige Beträge, 2023 waren es Jahr 450 Mio. USD.

Die Entsorgung gewerblichen Abfalls wird von privaten Unternehmen durchgeführt . Er kommt zu Transferstationen und wird von dort aus der Stadt transportiert. Weil Gewerbemüll in der Regel homogener als Privatabfall ist, eignet er sich besser zur Wiederverwendung und weist eine deutlich höhere Recyclingquote auf, besonders die große Menge von Abfällen, die bei Bauprojekten anfällt.

Man könnte hier fast endlos Beispiele anführen, warum die Abfallproduktion in New York, verglichen mit europäischen Städten, so extrem hoch ist. Besonders ins Auge stechen das Einweggeschirr, das man überall sieht, allein eine Firma wie Starbucks mit 200 Locations produziert Hunderttausende Teile Müll pro Tag, auch der Verpackungswahn ist allgegenwärtig.

Viele gehobenere, teurere Restaurants werben damit, bevorzugt regionale Zutaten zu verwenden, da es umweltfreundlicher sei. Am anderen Ende des Spektrums sind die Essenslieferungen von durchschnittlichen Restaurants und Fast Food, die immer mehr zunehmen. Mit dabei in der oft ohne ersichtlichen Grund gedoppelten Tüte sind meist eine Fülle von Plastikbesteck, Essstäbchen, Soßenpäckchen oder Servietten. Es ist einfacher und so wohl auch billiger, einfach alles Erdenkliche einzupacken, statt zu fragen, was der Kunde wirklich benötigt.
Pfandystem

Pfandsammeln in Manhattan – Via Flickr
In New York gibt es ein Pfandsystem für Flaschen und Dosen. Die Rückgabe von Leergut ist jedoch schwierig und der Pfand beträgt nur 5 Cent, egal für welche Art von Behälter. Ich lebe seit 1991 in New York und mindestens seit dieser Zeit wurde dieser Betrag nicht erhöht.
Theoretisch sind Läden verpflichtet, Flaschen und Dosen zurückzunehmen. Automaten sieht man jedoch nur bei großen Supermärkten, wo sie irgendwo stehen, wo sie möglichst nicht auffallen, da sie aus der Sicht des Händlers nur Probleme bringen. Oft sieht man ‚Out of Service‘ Schilder an den Maschinen. Bei den Tausenden kleinen Läden gibt es die Automaten gar nicht und Annahme von Leergut ist dort unbekannt.
Die überwiegende Mehrheit der New Yorker haben noch nie einen Behälter zurückgegeben. Die 5 Cent sind in der Praxis eher Verkaufssteuer als Pfand. Der Großteil der Dosen und Flaschen landet stattdessen im Recyclingmüll.
Oft sieht man Sammler, die mit Einkaufswägen, auf denen riesige Plastiksäcke voller Leergut geladen sind, durch die Straßen ziehen. Für diese Menschen ist das schlecht laufende Pfandsystem ein Segen, da im Recyclingmüll fast immer geldwerte Flaschen und Dosen zu finden sind. Abfall steht bei den vielen kleineren Wohnhäusern einfach vor dem Gebäude und ist dann sehr einfach zugänglich.
Diese Spezialisten wissen dann auch im Gegensatz zum Durchschnittsbürger, wo man das Leergut zu Geld machen kann.
Neubauten
Bei Neubauten, besonders Gewerbeimmobilien wird auf Energiesparsamkeit und Umweltverträglichkeit geachtet. Neue Bürotürme sind weltführend bei der Effizienz. Das beste Beispiel ist 270 Park Avenue, das neue Hauptquartier des Finanzgiganten JPMorgan Chase, und der vielleicht spektakulärste Neuzugang zur Skyline von Manhattan seit Jahren.

Der 423 Meter hohe Turm, der 4 Mrd. USD gekostet hat, erstreckt sich über 60 Etagen und wird vollelektrisch betrieben. Es ist geplant, den Energiebedarf innerhalb einiger Jahre zu 100% mit erneuerbarer Energie aus einem Wasserkraftwerk im Bundesstaat New York zu decken. Die Betriebsemissionen des Gebäudes, das bis zu 10.000 Mitarbeiter beherbergen kann, werden dann nach Auskunft der Bank bei Netto-Null liegen. Laut JP MorganChase wurden 97% der Materialien aus dem Abriss des Union Carbide Vorgängerturms recycelt, wiederverwendet oder upgecycelt. Der Wasserverbrauch soll im Vergleich zu älteren Gebäuden wegen Verwendung moderner Wasserspeicher- und Wiederverwendungssystemen um mehr als 40 Prozent niedriger liegen.

Auch in alten Bürogebäuden wird oft gewaltig investiert, um sie sparsamer zu machen. Das bekannteste Wahrzeichen New Yorks, das Empire State Building, wurde vor ein paar Jahren für über eine halbe Milliarde Dollar modernisiert. Ein Großteil des Geldes wurde für Umweltschutz- und Energiesparmaßnahmen ausgegeben, so wurden alle 6.514 Fenster ersetzt und ein komplett neues Heizungs- und Kühlsystem installiert.

Auch in der Hotelszene kann man sehen, wie trendig Nachhaltigkeit ist. So bietet das 1 Hotel Brooklyn Bridge Park, Foto ganz oben, Ökoschick vom Feinsten. Die Designer des Hotels verwendeten im gesamten Gebäude nachhaltige Materialien. Ein Beispiel hierfür ist die fast 8 Meter maßgefertigte Pflanzenwand in der Lobby. Sie besteht aus einem Stahlgitter, in das von Hand Pflanzen und Klettergewächse eingefügt wurden. Auf diese Weise kann sich die Vegetation organisch entfalten.
Alte Immobilien

Der Großteil des New Yorker Immobilienbestand ist alt. Das macht sich besonders beim Heizen bemerkbar, wo noch zu einem großen Teil Dampfheizungen eingesetzt werden. Obwohl dieses System bei seiner Einführung in den 1870er-Jahren ein Segen für die Stadt war, ist es für heutige Standards äußerst ineffizient.
Bei Dampfheizungen erhitzt ein Kessel Wasser mit Erdgas oder Öl, das Wasser verdampft und wird dann über Heizkörper im Gebäude verteilt. Wenn der Kessel mehr Wärme als nötig erzeugt, werden Wohnungen oft überheizt, was dazu führt, dass die Mieter die Fenster öffnen, um abzukühlen, denn es gibt keine Möglichkeit für die Bewohner, die Temperatur zu regeln.
„Viele dieser Gebäude mit Dampfheizungen verbrauchen dreimal so viel Wärme wie nötig“, sagte Tristan Schwartzman, Spezialist für Heizsysteme bei der Ingenieurberatungsfirma Goldman Copeland, gegenüber Crain’s New York.
Dampfheizungen verbreiteten sich Anfang des 20. Jahrhunderts mitten in der Spanischen Grippe-Pandemie. Damals riet man den Menschen, die Fenster zu öffnen, damit frische Luft durch die Wohnung zirkulieren konnte. Als die Kessel in diesen Gebäuden installiert wurden, wurden sie daher mit sehr großer Heizleistung versehen.

„Wenn diese Kessel kaputtgehen, empfehlen wir immer, eine genaue Analyse des Gebäudes durchzuführen, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln und den Kessel entsprechend zu dimensionieren“, sagt John Mandyck, Leiter des Urban Green Council, einer gemeinnützigen Organisation, die Daten über städtische Gebäude sammelt und sich für die Dekarbonisierung von Gebäuden einsetzt, gegenüber Economist Impact. „Es gibt einen größeren Anreiz dafür, da das neue Gesetz Local Law 97 nun die Berücksichtigung aller Kohlenstoffemissionen vorschreibt.“
Das von Mandyck erwähnte Gesetz wurde 2025 verabschiedet und verpflichtet die meisten Gebäude mit einer Fläche von über 25.000 Quadratfuß (2.322 qm), bestimmte Grenzwerte für ihre Treibhausgasemissionen einzuhalten. Dies soll die Besitzer veranlassen, ihre Heiz- und Kühlsysteme effizienter zu gestalten.
Die Grenzwerte sind derzeit noch sehr hoch – so hoch, dass Mandyck schätzt, dass nur 8 Prozent der Gebäude sie nicht einhalten. Sie werden jedoch jedes Jahr sinken. Ziel ist es, bis 2050 alle Gebäude vollständig zu elektrifizieren und das Stromnetz mit erneuerbaren Energien zu versorgen, damit die Stadt ihre Klimaziele erreichen und die Luftqualität für Millionen von Einwohnern verbessern kann.
Ein Schlüssel zur Elektrifizierung: Wärmepumpen

Im Laufe des letzten Jahrzehnts wurden Luft-Wärmepumpen, die in den milderen Klimazonen im Süden der USA schon lange zum Heizen und Kühlen von Häusern eingesetzt werden, auch im Nordosten des Landes beliebter, da technologische Fortschritte ihren effizienten Betrieb in kälteren Klimazonen erleichtern.
Das Gerät funktioniert, indem es mithilfe eines Kältemittels Wärme von außen aufnimmt und diese im Inneren abgibt (oder umgekehrt). Da es keinen zentralen Heizkessel gibt, können die Bewohner die Heizung und Kühlung selbst steuern, was Energieverschwendung reduziert.
Bei großen Gebäuden können die für die Elektrifizierung der Heizsysteme erforderlichen Modernisierungen und Installationen sehr komplex sein, insbesondere wenn die Eigentümer ein zentrales Heizsystem anstelle einzelner Wärmepumpen wünschen.
„Die Eigentümer beginnen, sich mit den schwierigen, kapitalintensiven Projekten auseinanderzusetzen, die erforderlich sein werden, um die Grenzwerte von 2030 und 2035 zu erreichen“, sagte Tristan Schwartzman, der bereits erwähnte Spezialist für Heizsysteme bei der Ingenieurberatungsfirma Goldman Copeland, gegenüber Crain’s New York. „Aber die Leute zögern, diese Projekte anzugehen, weil sie komplex sind, die Technologien relativ neu sind und die Einsparungen bei den Energiekosten begrenzt sind.“
Ein weiteres Problem sind natürlich die Kosten. Obwohl die Stadt Anreize für die Installation von Wärmepumpen durch das Local Law 97 bietet, werden die Investments oft als zu hoch angesehen. Im tiefsten Winter können Luft-Wärmepumpen große Mengen Strom verbrauchen, um die geringe Menge an warmer Luft von außen aufzunehmen – dies kann die Stromrechnung eines Gebäudes erhöhen und die Immobilieneigentümer sogar dazu zwingen, ihre elektrische Kapazität zu erhöhen, um die höhere Last zu bewältigen.

2022 versah die US-Firma Gradient 30.000 Apartments in stadteigenen Wohngebäuden mit Wärmepumpen. Es war die bisher größte Initiative in New York in dieser Art und gilt als Erfolg.
„Ich denke, die Wärmepumpentechnologie wird irgendwann Heizkessel ersetzen, aber es wird ein langer Weg sein“, sagte Vince Romain, Gründer des Wärmepumpenherstellers Gradient in Business Wire.
E-Mobilität

Die Nutzung von Mikromobiltätsfahrzeugen, wie E-Bikes, Scooter und Roller erlebten seit den Covid Jahren einen astronomischen Anstieg, ganz besonders beim Heer der Auslieferer. Ob das gut für die Umwelt ist, ist die Frage, da ein großer Teil der Nutzer vom traditionellen Fahrrad umstiegen. Bei Neuanmeldungen von Autos liegen E-Fahrzeuge derzeit bei circa 8%.
Energieversorgung generell
Bei der Energieversorgung gibt es die verschiedensten Experimente, Projekte, Pläne und Erwägungen im Kleinen wie im Großen. So wird seit einiger Zeit ein kleiner Teil des anfallenden Biomülls gesammelt, um daraus Biomethan zu erzeugen. Die Modernisierung der Klärwerke wird angedacht, damit das dort entstehende Biogas genutzt werden kann, statt abgefackelt zu werden.
Auch über die Stilllegung oder Komplettmodernisierung des größten Wasserdampfsystems der Welt wird nachgedacht. Es versorgt mehr als 1.500 Gebäude in Manhattan, darunter das Empire State Bildung und das World Trade Center mit Energie. Das Netzwerk ist jedoch mehr als 125 Jahre alt und hat signifikante Effizienzprobleme.

Immer öfter werden auch grüne, also bepflanzte, Dächer angelegt. New York kann an vielen Sommertagen so heiß und schwül werden, dass die Klimaanlagen überall auf Hochtouren laufen. Die Green Roofs bewirken, dass Gebäude im Sommer mit weniger Energie gekühlt werden können und man im Winter weniger Wärme braucht.

Während der Weg dorthin oft noch nicht richtig fest steht, sind die Ziele bei Effizienz und Nachhaltigkeit groß. Bis 2040 soll ausschließlich grüner Strom im Netz fließen. Bis 2030 will die Stadt 1.000 MW Photovoltaik angeschlossen haben. Derzeit sind schon rund 450 MW in Betrieb. (Zum Vergleich: In München, mit circa ein Sechstel der Bevölkerung, sind es laut den dortigen Stadtwerken aktuell rund 100 MW.) Wichtigste grüne Stromquelle ist aber Offshore-Wind und da passiert tatsächlich immer mehr. Große Farmen vor New York, New Jersey und Massachusetts werden gebaut oder sind fest geplant und finanziert.

Der größte Teil der Energie wird aber nach wie vor durch fossile Quellen gedeckt. Wie, lesen sie hier.
Gesellschaft und Politik
Die politische Marschrichtung bei der Stadtregierung ist der aus Deutschland nicht unähnlich. So werden ehrgeizige Ziele wie zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes ausgegeben und Gesetze beschlossen, die dazu beitragen sollen. Beispielsweise werden nur Autos auf neuestem umwelttechnologischen Stand als Taxen zugelassen werden. Bei den öffentlichen Bussen fahren schon seit Jahren viele Hybrid-Modelle. Andere Initiativen sind Verbote von Styropor für das Verpacken von Essen, Strohhalmen und das Verbot kostenloser Plastiktüten. Auf ihrer Webseite informiert die Stadt die Bürger über Umweltinitiativen.
Auch bei der Bildung und Forschung ist das Interesse an Umweltschutz bemerkbar. Das New Yorker Schulsystem hat einige ‚grüne‘ High Schools, die im gesamten Lehrplan Umweltaspekte berücksichtigen und zum Bürgerengagement erziehen wollen. Neu dazu kamen in den letzten Jahren zwei ‚Growing up green’-Grundschulen, in denen den Kindern beigebracht wird, sich umweltbewusst zu verhalten. Ein 700 Mio. USD teures Klimaforschungszentrum ist für Governors Island, einer Insel bei Manhattan, geplant.

Die New Yorker Gesellschaft bleibt aber, wie in vielen Bereichen, beim Thema Umwelt arg gespalten. Gut sieht man das beim Recycling. Im ultraschicken elitären Tribeca, wo man viele Leute mit Geld und Bildung findet, ist die Recyclingrate die höchste der ganzen Stadt, und in der South Bronx ist sie am niedrigsten. De facto interessiert sich ein großer Teil der Stadtbewohner nach wie vor nicht für Umweltschutzmaßnahmen – ein Grund, warum New York die Stadt weltweit mit der höchsten Müllproduktion bleibt.











