Gesellschaft + Politik

In Zeiten einer Pandemie wichtiger denn je – Wie läuft das mit der Krankenversicherung in New York? (inkl. Tipps für Besucher)

von Erol Inanc
Gründer New York Aktuell
17-06-2021

Patient wird ins NY Presbyterian Hospital eingeliefert – Foto via NY Times

In den 15 Jahren, in denen ich als Stadtführer für Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeitete, hörte ich immer wieder die Frage, eigentlich schon eher ‘Feststellung’ “In Amerika haben doch kaum Menschen eine Krankenversicherung, oder?” Hier ist die echte Situation:

Vom Staat bezahlte oder stark subventionierte Krankenversicherungen

Personen, die weniger als circa 17.000 Dollar im Jahr verdienen, sozialschwache Familien, Schwangere, und Menschen mit Behinderungen bekommen oft eine kostenlose Krankenversicherung durch das Medicaid Programm. Fast 70 Mio. Menschen sind so versichert.

Für Niedrigverdiener, deren Einkommen über der Schwelle für Medicaid liegt, gibt es in fast allen Staaten Optionen für stark subventionierten Versicherungsschutz. In New York ist es der New York Essential Plan, der $20 im Monat kostet. 800.000 Bewohner des Staates New York sind so versichert, ein großer Teil in der Stadt New York.

Zwei Krankenschwestern in New York – Foto Herald Lord

Amerikaner über 65 können sich durch das vom Bund stark subventionierte Medicare Programm versichern. 44 Mio. Menschen erhalten so ihren Schutz.

Bei allen vom Staat subventionierten Plänen laufen die eigentlichen Behandlungen über medizinische Dienstleister wie bei anderen Versicherungen auch. Es gibt also beispielsweise keine eigene Medicaid Krankenhäuser.

Die Subventionen für alle staatlich verwalteten Krankenversicherungen kommen zum allergrößten Teil vom Federal Government (Bund). Die Versichtertenzahlen stammen aus dem Jahr 2019. Es ist anzunehmen, dass sie seit Ausbruch der Pandemie stiegen.

Versicherung durch Arbeitnehmer

Die meisten Menschen erhalten ihren Versicherungsschutz wie in Europa auch durch ein festes Arbeitsverhältnis. Die Firmen kommen normalerweise für 70% der Kosten auf, der Arbeitnehmer für 30%.

Foto – Albert Walter

Selbst Firmen wie McDonalds, Starbucks oder Walmart, der größte Arbeitgeber der USA, bieten mittlerweile Möglichkeiten, sich über den Job versichern zu lassen.

Obamacare – Affordable Care Act

Es gibt Gruppen, wie Freiberufler und Menschen mit Jobs in Minifirmen, für die es lange schwer und teuer war, versichert zu werden.

Für solche Gruppen wurde der Affordable Care Act, auch als Obamacare bekannt, ins Leben gerufen.

Foto – Tom Loeffler

Das Grundprinzip ist, dass Versicherer alle Menschen versichern müssen, aber für die unattraktiveren Kandidaten Subventionen vom Staat erhalten. Seit Einführung von Obamacare kann sich beispielsweise ein Freiberufler, der 48.000 Dollar im Jahr verdient, für circa $400 pro Monat versichern lassen. Wenn man sich trotz dieser Möglichkeiten nicht versichert, kann man vom Staat mit einer Strafe belegt werden.

Wenn man sich als braver Europäer denkt, das ist doch alles ok, kennt man den Amerikaner nicht. Viele beschweren sich, dass durch Obamacare das Recht eingeschnitten wird, unversichert zu sein. Andere wollen sich nicht von dem Jahr trennen und verlassen sich auf Ihr Glück, gesund zu bleiben und sagen sich ‘Da mach ich mir Gedanken, wenn ich den Arzt brauche.’ Die Republikaner, allen voran Donald Trump, wollen, dass Obamacare gekippt wird. Der Fall liegt jetzt beim US Supreme Court.

Was machen Besucher am besten beim Versicherungsschutz?

Behandlungskosten in den USA gehören zu den höchsten der Welt. Nicht nur findet die Versorgung auf hohem Niveau statt, amerikanische Ärzte und medizinische Einrichtungen werden bei Fehlern oft auf Schadenersatzsummen von Millionen von Dollar verklagt. Sie müssen deshalb teure ‘Malpractice Insurance’ (in etwa ‘medizinische Haftpflichtversicherung’) abschließen. Das erhöht die Kosten noch einmal erheblich. Aus Angst vor Klagen agiert man auch oft mit einer ‘Übergründlichkeit’, die auf Europäer manchmal schon fast absurd wirken kann.

Da die Kosten für Arztbesuche hoch und bei Krankenhausaufenthalten astronomisch sein können, sollte man als Besucher den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung (AKV) andenken. (Viele Kreditkarten beinhalten übrigens schon eine AKV.)

Medizinische Dienstleister werden nicht mit ihrer AKV abrechnen. Das heißt Sie müssen die Leistung vor Ort bezahlen und sich den Betrag später erstatten lassen. Da die Kosten bei Hospitalbesuchen immens sein können, wird man hier normalerweise zu einer Rechnungsstellung bereit sein. Sie werden bei Notfällen auf jeden Fall behandelt.

Es ist in den USA immer möglich, eine detaillierte Rechnung für medizinische Leistungen zu bekommen, was bei der Erstattung hilfreich sein kann.

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