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Kunst auf der Straße – Die New Yorker Street Art Galleries

Eduarda Kobra – Foto Roger Maris

Street Art ist eine Kunstform, die man mit New York verbindet, wie kaum eine andere Stadt. Wer U-Bahnzüge voller Grafitti sehen will, ist aber etwas zu spät dran – die gibt es seit den 1990er Jahren so gut wie nicht mehr. Street Art, die unverlangt an Hauswänden, Passagen oder Ladengittern angebracht ist, ist ebenfalls Mangelware.

Heute findet man viele spannende Werke in ‘Street Art Galleries’ – Flächen, die von den Besitzern für Straßenkunst freigegeben wurden. Man kann dort Arbeiten von etablierten Street Artists sehen, aber auch Werke von Künstlern, die erst dabei sind, sich einen Namen zu machen. Nach Fertigstellung bleiben die Arbeiten dann meist ein paar Monate, bis sich die nächsten Street Artists ans Werk machen dürfen.

Hier stellen wir Euch neun Street Art Galleries vor.

The Bowery Wall Mural

Bowery Mural – Tats Cru

Die Bowery Wall ist eine der ältesten Street Art Galleries in New York. Einige der bekanntesten Künstler der Szene brachten Arbeiten an der Mauer an, darunter der legendäre Keith Haring (1958-1990). Die Bowery Wall befindet sich im East Village, einem Viertel im südlichen Manhattan, das lange für seine kaputt-kreative Atmosphäre bekannt war.

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The Museum of Street Art – Citizen M Bowery Hotel

Citizen M

Das Museum of Street Art ist ein Tribut an die ‘5Pointz’, einer stillgelegten Fabrik in Queens mit 200 Künstlerstudios, auf deren Mauern man jahrelang spektakuläre Street Art sehen konnte. Nicht nur Besucher, auch zehntausende U-Bahn Passagiere kamen in den Genuss der Kunst, weil die Subway oberirdisch an der alten Fabrik vorbeiratterte. 2013 mussten die 5 Pointz Platz für Eigentumswohnungen machen.

Die 5 Pointz in Queens – Foto Ben Altter

Das Citizen M Bowery Hotel auf Manhattan’s Lower Eastside hat Künstler, die bei den Five Pointz mitwirkten, beauftragt, Kunst für die öffentlichen Bereiche des Hotels zu schaffen. In der Eingangshalle und den Gängen des 20-stöckigen Gebäudes kann man jetzt Arbeiten von bekannten New Yorker Street Artists wie SEE TF, Meres One oder Christian Cortes sehen. Das Ganze wurde ‘Museum of Street Art’ benannt, obwohl es mit einem traditionelles Museum nur wenig zu tun hat.

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World Trade Center Mural Project

Foto – Roger Maris

Man kann sich kaum einen ergreiferenden Ort für die Heilkfraft von Kunst vorstellen, als das World Trade Center Areal. Das ‘Mural (Wandgemälde) Project‘ auf dem ehemailgen ‚Ground Zero‘ zeigt Arbeiten von 6 Street Artists, darunter Stickymonger und Boogie Rez. Was alle Werke gemeinsam haben, sind die spielerischen, heiteren Motive der Werke. Diese Werke werden in voraussehbarer Zeit nicht durch andere ersetzt.

Foto – Roger Maris

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Kobra Street Art

Photo by Sylvie Bonne, author of A NYC Guide for Instagrammers

Der brasilianische Street Artist Eduardo Kobra, genannt Kobra, begann seine Karriere 1987 im Alter von 12 im heimatlichen Sao Paulo. Seitdem schuf er über 3.000 Wandgemälde auf fünf Kontinenten.

In New York gab er sein Debut 2012 mit dem Wandgemälde “The Kiss”. Das Werk in allerbester Lage im High Line Park wurde von Millionnen gesehen. Sechs Jahre später kam er wieder nach New York und malte innerhalb nur weniger Monate 18 spektakuläre Werke. Die Werke befinden sich hauptsächlich in Manhattan, ein paar in Brooklyn.

An diesen Orten findet Ihr die Arbeiten

East Harlem Grafitti Hall of Fame

Welcome to Harlem – Foto Warburg Realty

Dem Grafitti Aktivist Ray “Sting Ray” Rodriguez wurde es 1980 erlaubt, die Innenwände des Jackie Robinson Spielplatz in East Harlem zu einer Ausstellungsfläche für Street Art umzufunktionieren. Sting Ray wollte jungen Straßenkünstlern einen Raum geben, wo sie sich ohne Angst vor der Polizei ausdrücken konnten. East Harlem war zu dieser Zeit eines der berüchtigsten Viertel in ganz New York. 40 Jahre später gibt es die Hall of Fame immer noch. Herzstück ist das riesige Wandgemälde ‘Welcome to Harlem‘ – eine Reise durch die Geschichte der Street Art in New York.

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Audubon Mural Project

Foto – Mike Fernandez

Mit seinem bahnbrechenden ‘Birds of America’ verfasste der Ornithologe John James Audubon 1827 ein Buch, das lange das wichtigste Nachschlagewerk für amerikanische Vogelkundler bleiben sollte. Audobon war nicht nur der Autor, sondern auch der Illustrator von ‘Birds of America’. (Ein Exemplar der Erstauflage wurde übrigens 2018 für 9,65 Millionen US-Dollar versteigert).
Die nach ihm benannte Audubon Society, eine Naturschutzorganisation, startete vor 6 Jahren zusammen mit Gallerist Avi Gitler das Audobon Mural (Wandgemälde) Project. Das Ziel ist es, im nördlichen Manhattan, der alten Wirkungsstätte von Audobon, Arbeiten von 300 Vögeln, die vom Klimawandel bedroht sind, zu schaffen. Derzeit ist man schon bei fast 120 Werken.

Genauere Info hier – es werden sogar Touren angeboten

Freedom Tunnel

Foto – Roger Maris

In den 1930er Jahren wurde unter dem Riverside Park auf Manhattans Westside ein Zugtunnel gebaut. Nachdem er 1980 stillgelegt wurde, kamen Obdachlose, um hier zu leben. Es wird geschätzt, dass zuweilen bis zu 100 Menschen hier ihr Heim hatten. 1991 vertrieb Amtrak, das amerikanische Gegenstück zur Bundesbahn, die Obdachlosen und nahm den Tunnel wieder in Betrieb. Zu dieser Zeit entdeckten Grafittikünstler den Tunnel für sich, allen voran Chris “Freedom” Pape, nachdem der Bau auch inoffiziell benannt ist. Street Artists kommen immer noch in den Freedom Tunnel, obwohl es verboten ist, sich hier aufzuhalten.

Es ist möglich den Tunnel zu besuchen, aber man könnte wegen unerlaubten Betretens belangt werden.

Weg zum Freedom Tunnel

Bushwick Collective

Foto – Bushwick Collective – Facebook

Bis vor 8 oder 10 Jahren war Bushwick, ein Viertel in Brooklyn, in ganz New York für Verbrechen und Verfall berüchtigt. Seitdem verwandelte sich der Stadtteil zu einem Künstlerviertel und trendigen Wohngegend (natürlich bleiben die Probleme, die Gentrifizierung mit sich bringt, nicht aus).

Joe Ficolora, Sohn sizilianischer Einwanderer, kennt das alte Bushwick noch gut. Der 41-jährige wuchs hier auf und musste mit 12 Jahren den Mord an seinem Vater erleben. Weg aus seinem Heimatviertel wollte Joe aber nie, im Gegenteil, er wollte einen Beitrag zu Bushwick leisten.

2013 kam Ficolara, einem Street Art Afficianado, dann eine Idee. Er wollte die vielen der oft immer noch trostlos anmutenden Blocks in Bushwick mit Straßenkunst lebendig werden lassen. Ficolora konnte viele Hausbesitzer und Künstler von seinem Projekt überzeugen und in den folgenden Jahren entstand unter dem Namen ‘Bushwick Collective‘ die größte Ansammlung von Street Art in New York. An Wänden von Wohnhäusern, Restaurants, Garagen, alten Fabriken oder Bauzäunen sind die verschiedenartigsten Arbeiten von Künstlern aus der ganzen Welt zu sehen.

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Coney Art Walls

Coney Island is ein Viertel in Brooklyn, das für seinen Strand und Vergnügungspark bekannt ist. Coney Art Walls ist eine Sammlung freistehender Wandmalereien von mehr als einem Dutzend Graffiti- und Straßenkünstlern, kuriert vom bekannten Kunsthändler Jeffrey Deitch.

Die Werke befinden sich auf einem vormals leeren Gründstück mitten in Coney Island auf denen 5000 qm Fläche für Kunst zur Verfügung stehen. Viele der Wandmalereien haben Vergnügungspark- und Strandmotive, wie Meerjungfrauen, Vergnügungsparkfahrten oder Sonnenschirme. Künstler aus aller Welt sind vertreten, darunter Namen wie Kenny Scharf, Miss Van und Lady Pink.

Coney Art Walls sind nur vom Mai bis September geöffnet. Mehr Info hier.

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