
Kaum eine Stadt hat so viel in Sachen Rockgeschichte zu bieten wie New York. Wir werfen einen Blick zurück auf die legendären Clubs und Hallen der 1960er und 1970er Jahre, wo Trends begannen und viele Stars ihre Karrieren starteten.

Sie waren in Vierteln im südlichen Manhattan angesiedelt, in denen die Mieten nicht unbedingt als sicher galten, die aber auch interessant und voller Kreativität waren und viele Musiker inspirierten. Die gleichen Stadtteile sind 2026 ausnahmslos teuer und schick. Hier ein Blick auf die wichtigsten alten Clubs und Hallen und was sich heute an ihren Plätzen befindet.
Max’s Kansas City (1965 – 1981 213 Park Avenue South)


Woher der Name kam, war nie ganz klar. Weder gab es einen Max noch irgendeine Verbindung mit Kansas City. Gestartet wurde er vom Nightlife-Impressario Mickey Ruskin. Andy Warhol hielt im 70 Quadratmeter großen Hinterzimmer Staat. Jeder, der etwas in der Kunst- und Musikwelt darstellte, tauchte irgendwann dort auf – von Rockgrößen wie Mick Jagger oder David Bowie bis hin zu Künstlern wie Salvador Dali. Bruce Springsteen, Aerosmith und Bob Marley traten auf, als noch niemand wusste, wer sie waren. Debbie Harry, die spätere Sängerin von Blondie, arbeitete hier zwei Jahre lang als Bedienung.
Warhols Schützlinge, die Band Velvet Underground mit Lou Reed, waren unter den Stammgästen und es gibt ein Album. „The Velvet Underground live at Max’s Kansas City“ wurde hier aufgenommen.

Heute sind oben Wohnlofts, unten waren über die Jahre verschiedene Restaurants, momentan werden dort Arbeiten ausgeführt
Fillmore East (1968 – 1971 105 Second Avenue)

Das Fillmore East war ein altes jüdisches Theater, das der legendäre Promoter Bill Graham zu einer Halle mit 2.700 Plätzen umbaute. Die Liste von Künstlern, die hier auftraten, liest sich wie ein Who is Who der Rockgeschichte. Janis Joplin, Jimi Hendrix, Frank Zappa oder Miles Davis sind nur ein paar Namen.


Wo früher die Abendkasse und Lobby war, war bis vor kurzem eine Bank, jetzt wird ein Frozen Yoghurt Shop dort eingerichtet, der Rest wurde in Wohnungen unterteilt. Die Vergangenheit ist hier aber nicht ganz vergessen, der Straßenecke an der Second Avenue und 6th Street wurde der Name „Bill Graham Way“ gegeben.
CBGB (1973 – 2006 315 Bowery nahe Bleecker Street)


In den 1970er Jahren war CBGB DIE Brutstätte für Punk und New Wave in Amerika. Alle kamen sie hier durch, oft noch vollkommen unbekannt: Television, Patti Smith, die Dead Boys, um nur ein paar Namen zu nennen. The Police gaben hier ihr US-Debüt. Die ultimativen NY-Punkrocker, die Ramones, sind vielleicht die Band, die am engsten mit dem CBGB verbunden ist. Auch die späteren Weltstars Blondie waren Stammgäste hier.
Heute teilen sich zwei Ladenlokale die ehemaligen CBGB Räumlichkeiten: In einem befindet sich die Designerboutique von John Varvatos, der versucht, durch die vielen CBGB-Erinnerungsstücke, die er aufgekauft hat, von der reichen Vergangenheit zu profitieren, im anderen war bis vor kurzem ein Shop Outdoormarke Patagonia, jetzt finden Arbeiten dort statt.
Mudd Club (1978 – 1983, 77 White Street)

Nicht nur in „The Return of Jackie and Judy“ von den Ramones wurde der Mudd Club besungen, sondern auch in Songs von den Talking Heads, Nina Hagen und Frank Zappa.
Lou Reed, Johnny Thunders, David Bowie und die Talking Heads waren unter den Gästen. Die Ramones traten oft hier auf, und die B52s gaben hier ihr NY-Debüt. Auch der deutsche Tenor und Performance-Künstler Klaus Nomi, der 1983 eines der ersten bekannten AIDS-Opfer wurde, gastierte hier.
Der Mudd Club war eine Mischung aus Disko und Musikclub, schicker als CBGB oder Max’s Kansas City, und hatte eine starke Verbindung zur Kunstwelt. Jean-Michel Basquiat, Keith Haring und Kenny Scharf waren Stammgäste in dem Club, der auch für starken Heroinkonsum bekannt war. Benannt war der Club nach Samuel Mudd, einem Arzt, der den Attentäter von Präsident Lincoln, John Wilkes Booth, medizinisch behandelte und daraufhin selbst angeklagt wurde.

Heute sind dort Luxuswohnungen.
Electric Circus (1967 – 1971 – 19-23 St. Marks Place)

Electric Circus verkörperte die psychedelische Szene der 1960er-Jahre in New York wie kein anderer Club.
Die Gäste wurden mit durch die unterschiedlichsten Darbietungen unterhalten. Darunter Rockshows, flammenwerfende Jongleure oder experimentelles Theater. Der Raum mit der riesigen Tanzfläche wurde von halluzinogenen Lichtprojektionen durchflutet. Zum Entspannen saßen die Besucher auf Sofas, die im ganzen Club verteilt waren.




Andy Warhol’s Factory 1968 – 1973 (33 Union Square West im 6. Stock, Manhattan)


Die Factory war zwar kein Musikclub, aber eines der legendärsten Stücke Popkultur in der Geschichte New Yorks. Die Factory lag auf der anderen Seite des Union Square von Max’s Kansas City. Hier schuf Warhol viel seiner Kunst, aber es war auch ein legendärer Treffpunkt der New Yorker Untergrundszene.
1968 wurde Warhol dort von der radikalen Feministin Valerie Solanas durch Schüsse so schwer verletzt, dass er schon für tot erklärt wurde. Obwohl er noch fast 20 Jahre lebte, heißt es, dass er nach dem Attentat nicht mehr der Gleiche war. Grund für die Tat war wahrscheinlich, dass Warhol ein Theaterstück von Solanas nicht produzieren wollte.
2026 befinden sich Dazed, ein gehobener Cannabisladen und Luxusapartments in dem Gebäude, das einst die Factory hauste.
Electric Lady Studios – 1970 – heute (52 West 8th Street, Manhattan)

1968 kauften Jimi Hendrix und sein Manager Michael Jeffery gemeinsam das ehemalige Musiklokal ‘Generation Club‘ im Manhattaner Künstlerviertel Greenwich Village, um es in ein speziell für den legendären Gitarristen designtes Aufnahmestudio umzuwandeln.
Hendrix wollte ein Studio auf dem letzten Stand der Technik, aber mit entspannendem Ambiente, um seine Kreativität zu fördern. Maler Lance Jost wurde beauftragt, ein psychedelisches Raumthema zu schaffen und Apparate wie Lichtmaschinen, die in verschiedenen Farben – je nach Stimmung – projizieren konnten.

Die Arbeiten gestalteten sich schwierig und es dauerte bis zum 26. August 1970, bis das Studio offiziell eröffnete. Getauft wurde es Electric Lady, angelehnt an Hendrix zwei Jahre vorher veröffentlichtem Album, Electric Ladyland, das heute als eine der wichtigsten Werke in der Rockgeschichte gilt.

Am Tag nach der Einweihung nahm Hendrix ein ruhiges Instrumental auf, das als ‘Slow Blues‘ bekannt ist. Es sollte seine letzte Studioeinspielung sein. Bald danach machte er sich auf den Weg nach London, wo er am 18. September an einer Überdosis starb.
Rocklegenden wie Bob Dylan, David Bowie, die Rolling Stones und Led Zeppelin nahmen hier genau so auf, wie heutige Superstars wie Lady Gaga und Taylor Swift.
Musikfans müssen es leider bei einem Blick von außen belassen, es werden keine Touren angeboten.
Madison Square Garden – 1968 bis heute

Nirgends auf der Welt fanden mehr hochkarätige Konzerte statt als im Madison Square Garden.
Praktisch jeder Künstler mit Rang und Namen stand seit 1968 auf der Bühne der 18.500 Zuschauer fassenden Arena, seien es die Rolling Stones oder Ed Sheeran.

Billy Joel, ein waschechter New Yorker, der sein ganzes Leben hier verbrachte, hält den Rekord mit 113 Shows im ‘Garden’ und bringt es auf den Punkt. „Was mich betrifft, ist der Madison Square Garden das Zentrum des Universums. Er hat die beste Akustik, das beste Publikum, den besten Ruf und die eine unvergleichliche Geschichte. Er ist ein Tempel des Rock ’n’ Roll.“

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