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Vor 40 Jahren wurde John Lennon ermordet – Hintergründe zu seinem Leben und Tod in New York

von Erol Inanc
Gründer New York Aktuell
09-12-2020

John Lennon in den frühen 1970er Jahren – Foto Bob Gruen www.bobgruen.com

1971, ein Jahr nach der Trennung der Beatles, zogen John Lennon und seine Frau Yoko Ono von England nach New York. Sie wollten den englischen Medien entkommen, die das Paar, wie Lennon oft klagte, auf Schritt und Tritt verfolgten. Sie sahen New York als einen Ort, wo sie sich ihrem Privatleben widmen konnten.

Sie wohnten zunächst im altehrwürdigen St. Regis Hotel an der 5th Avenue. Danach zogen sie ins Künstlerviertel Greenwich Village und im Mai 1973 ins legendäre Dakota Building. Das 1884 errichtete Dakota war eins der ersten herrschaftlichen Apartmentgebäude der Stadt. Es befindet sich in bester Lage auf der Westseite des Central Parks, Höhe 72nd Street. Das Paar kaufte fünf Wohnungen dort. Zwei zum Leben und eine als Gästeapartment. Die anderen beiden Wohnungen wurden als Kunststudio für Yoko Ono und Lagerraum genutzt.

John und Yoko vor dem Dakota Building 1980 – Foto Allen Tannenbaum

Menschen, die ihm nahestanden, berichteten später, wie sehr der Ex-Beatle das Leben in New York genoss. „John sagte mir, dass die Leute ihn erkennen, aber nicht mobben wie in England. Er konnte hier alltägliche Sachen machen, wie die Straße entlang gehen, in ein Taxi steigen oder in einen Laden gehen”, so sein Freund, der Rockfotograf Bob Gruen 2015 in einem Interview mit der New York Times.

Nach der Geburt seines Sohns Sean 1975 veröffentlichte Lennon fünf Jahre keine Alben, um viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen, wie er 1980 in einem Interview mit Rolling Stone Magazine preisgab. Am 17. November 1980 erschien dann aber ‘Double Fantasy’ – ein Album mit 14 Songs. Sieben wurden von Lennon geschrieben und gesungen, sieben von Yoko Ono.

Am 8. Dezember 1980 gegen 17 Uhr verließen Lennon und Ono das Dakota Building, um sich auf den Weg zum Record Plant Studio auf der 44th Street am Times Square zu machen. Vor dem Gebäude wartete der 25-Jährige aus Hawaii angereiste Mark David Chapman mit einem Exemplar von Double Fantasy. Er bat Lennon um ein Autogramm und der Ex-Beatle unterschrieb.

John Lennon gibt seinem späterem Mörder Mark David Chapman (rechts halb im Bild) ein Autogramm

Um 22.50 Uhr kam das Paar zurück. Chapman war immer noch da. Als Lennon und Ono aus ihrer Limousine stiegen und durch den Torbogen des Dakota gingen, schoss Chapman dem Musiker aus nächster Nähe viermal in den Rücken. 

Minuten später traf die Polizei ein. Als die Beamten Herb Frauenberger und Tony Palma sahen, wie schwer Lennon verletzt war, entschieden sie sich nicht auf einen Krankenwagen zu warten, sondern rasten ihn in ihrem Wagen zum eineinhalb Kilometer entfernten Roosevelt Hospital auf der 59th Street. Dort konnte man ihn bei seiner Ankunft um 23 Uhr nur noch für tot erklären, möglicherweise starb er schon am Tatort.

Die Polizei nahm Chapman widerstandslos am Tatort fest. In seiner Hand hielt er den Kultroman “Fänger im Roggen” über den sechzehnjährigen, durch New York irrenden Einzelgänger Holden Caulfield. Acht Monate nach der Tat wurde er zu einer Strafe von “20 years to life” verurteilt, was eine Mindeststrafe von 20 Jahren bedeutet, aber bei der man auch lebenslänglich einsitzen kann.

Chapman schießt Lennon vier Mal in den Rücken – Die New Yorker Polizei ließ diese Illustration der Tat anfertigen
Mark David Chapman nach seiner Verhaftung

40 Jahre später ist Chapman immer noch in Haft. Er verbüßt seine Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis in Alden im Bundesstaat New York. Seit dem Jahr 2000 kann er alle zwei Jahre einen Antrag auf Haftentlassung stellen, was er auch immer gemacht hat. Die Gesuche wurden stets abgelehnt, auch auf Drängen Yoko Onos hin.

Chapmans Motiv für die Tat wurde nie klar, vielleicht verstand der an psychischen Problemen leidende 25-Jährige sie auch selbst nicht. Er war ein Beatles Fan, aber Lennons Bemerkung aus dem Jahr 1966 ‘We are bigger than Jesus’ soll ihn wütend gemacht haben. Er sagte später auch, dass er sich als ein ‘Niemand’ fühlte und ein ‘Jemand’ werden wollte. Chapman soll Lennon auch als scheinheilig angesehen haben, weil er sich gegen Krieg und Unterdrückung aussprach, aber das Leben eines Millionärs führte. Er gibt Hinweise, dass Chapman auch Attentate auf andere Berühmtheiten wie Ronald Reagan und Elizabeth Taylor andachte. Vor dem Mord an Lennon war er aber nie polizeilich in Erscheinung getreten.

Lennon wurde vier Tage nach seinem Tod eingeäschert und Yoko Ono verstreute seine sterblichen Überreste im Central Park. Am 9. Oktober 1985, dem Tag, an dem Lennon seinen 45. Geburtstag gefeiert hätte, erhielt der Teil des Central Parks gegenüber des Dakota Building den Namen Strawberry Fields, inspiriert vom Beatles-Song “Strawberry Fields Forever”. Das Herzstück von Strawberry Fields ist ein von der Stadt Neapel gespendetes Steinmosaik mit dem Wort “Imagine” – Lennons bekanntestem Song als Solokünstler.

Jeden 8. Dezember, dem Jahrestag des Mords, versammeln sich Fans in Strawberry Fields, um Lennon zu gedenken. 2020 jährt sich sein Tod zum vierzigsten Mal. Die Feiern waren besonders emotional, aber wegen der Pandemie auch in vieler Hinsicht anders.

8. Dezember 2020 – Foto Dean Moses

Die mittlerweile 87-jährige Yoko Ono lebt immer noch im Dakota und will, solange es ihr gesundheitlich möglich ist, dortbleiben. “Es war unser Zuhause. Alles hier erinnert Sean und mich an John.”

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