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Streatarys – COVID-19 lässt neue Art von Outdoor-Gastronomie entstehen

Baby Brasa im Greenwich Village Viertel von Manhattan – Foto Moran Karsten

Ursprünglich sollte es den New Yorker Restaurants im Juli wieder erlaubt werden in den Innenbereichen zu servieren. Bürgermeister Bill de Blasio widerrief die Entscheidung aber, weil er befürchtet, dass dies derzeit noch zu einer Erhöhung der COVID-19 Fälle führen könnte.

Um der Gastronomie zu helfen startete die Stadt vor kurzem das ‘Open Restaurants‘-Programm. Hier wird viel öffentlicher Platz auf Bürgersteigen und Straßen für Tische freigegeben.

Die meisten Restaurants haben ihre neuen Außenbereiche schnell, oft regelrecht über Nacht, und mit einem kleinen Budget angelegt, denn alles, was sie jetzt bauen, wird wahrscheinlich im September oder Oktober wieder abgerissen werden müssen, wenn ‘Open Streets‘ auslaufen soll und auch die Temperaturen fallen.

Schnell wird ein Außenbereich errichtet – Foto Pat Di Nozio

Als Abgrenzungen werden die verschiedensten Dinge verwendet. Große Pflanzentöpfe, farbenfroh bemalte Sperrholzbretter, Verkehrsbarrieren, Lattenzäune, oder Spaliere. Die eigentlichen Außenbereiche sind oft einfach gehalten, viele sind aber einfallsreich dekoriert – manche erinnern an Strandbars, andere an Pariser Straßencafés.

Diese neue Art von Gastronomie führte in kurzer Zeit zu einer bemerkenswerten Änderung im Stadtbild. Mittlerweile haben die Außenbereiche auch einen Namen – Streetary, abgeleitet von den Worten Street und Eatary (Restaurant).

Edelrestaurant Carbone wird zur Streatary – Foto Pat Di Nozio

Mittlerweile gibt es fast schon an jedem Block eine Streetary. Viele New Yorker freuen sich über die Gelegenheit wieder in, oder besser gesagt vor, Restaurants zu essen. „Ich liebe die Streetarys. Sie sind ein Grund wieder mehr aus dem Haus zu gehen und helfen der Wirtschaft. Man sieht, dass wir New Yorker uns nicht unterkriegen lassen“, sagte mir Thomas Graham, ein 42-jähriger Architekt.  Andere sind weniger enthusiastisch. „Ich habe es einmal gemacht und das reicht. Ich habe keine Lust nochmal bei 30 Grad draußen zu sitzen, mit vorbeirasenden Autos, Obdachlosen, die einen anbetteln und einer Mülltonne ein paar Meter weg”, so Helen Katsimides, eine 31-jährige Lehrerin.

Oscar Wilde im Greenwich Village Viertel von Manhattan – Fotp Pat Di Nozio

Die Streatarys sind auf jeden Fall ein Erfolg. Oft sind sie so voll, dass man auf einen Platz warten muss. Bürgermeister Bill de Blasio hat deshalb schon gemahnt, die Social Distancing (Abstand halten) Regeln besser einzuhalten. Auch einige Bürger sind besorgt. “Ich denke es ist noch zu früh für sowas. Wir dürfen nicht übermütig werden und oft sehe ich beim Vorbeigehen Leute, die sich überhaupt nicht an die Regeln halten”, so ein älterer Herr, der sein Namen nicht im Internet wollte.

Es gibt verschiedene Sicherheitsvorschriften für die Streatarys. Unter anderem müssen die Bereiche, wenn Straßenraum genutzt wird, von mindestens 50cm dicken Barrieren mit Reflektoren eingegrenzt werden. 

Während die Streatarys spürbar zur Wiederbelebung New Yorks beitragen, sind sie, wie so vieles rund um das Thema COVID-19, aber auch kontrovers.

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